Tag 12 | 500 Worte | Das mach ich mit Links

Tag 12 | 500 Worte | Das mach ich mit Links

Sommer, Sonne, Arm gebrochen – kein Sommermärchen, sondern bittere Realität. Die gute Nachricht vorab, es ist wieder fast wieder gut.

Seit Februar haben wir einen Hund. Klein. Quirlig. Oft vorlaut. Kokoni, evtl. auch unter Melitaio Kynideo bekannt, ein griechischer Haus- und Hofhund.

Er ist ein Begleithund, der Besucher meldet und kleine Haustiere bewacht.

Kann man so sagen. Und unserer mag es nicht, wenn große Dinge getragen werden und Menschen in Uniform kann er auch nicht leiden. Hallo Paketbote! Dieser Umstand hat auch im Büro schon des Öfteren für Stimmung gesorgt.

Wie schon bemerkt, bei uns im Büro sind Hunde erlaubt. Das ist gut so. Denn Hunde sind toll, nicht nur für den Faktor der Work-Life-Balance, sondern auch weil sie das Arbeitsklima verbessern sollen. – Was wohl Postboten & Co. dazu sagen?

Neben dem Spaß, den er ins Büro bringt, sorgt er auch für ein Plus an Bewegung bei mir und so geht es mittags schon mal mit dem Hund raus. So auch Mitte August. Zurück gekommen bin ich mit einem gebrochenem Arm und verstauchtem Handgelenk. Und nein, das kleine 10-Kilo-Energie-Bündel hat mich weder umgerannt, umgezogen oder mir sonstiges angetan. In einer Kombination aus falschem Schuhwerk, losem Untergrund und mit dem Hund spielen hat’s mich zu Boden gezogen. Schnell und unerwartet.

Ingo rettet

Zunächst blieb ich noch ein paar Stunden im Büro, bis ich mich den Schmerzen geschlagen geben musste. Ingo war so gut, mich abends noch ins Krankenhaus zu fahren. Gefühlt mein erstes Mal. Gelernt habe ich an diesem Tag zwei Dinge. Serien lügen! Denn im Krankenhaus geht es um einiges ruhiger zu, als sie es darstellen. So habe ich dort gute vier Stunden zugebracht für das Ergebnis: Ist gebrochen, kommt Gips dran. Die meiste Zeit davon mit Warten und Hoffen, dass die Schmerzen nachlassen.

Immerhin, als das Schmerzmittel langsam wirkte, wurde die Welt eine bessere. Die Schwester hatte ihren Spaß beim Eingipsen, denn ich muss mich unglaublich ungeschickt angestellt haben. So hatte ich am Ende der Prozedur nicht nur Gips am Arm, sondern auch auf Shirt und Hose.

Was mir dabei aufgefallen ist, immer wenn ich mir den Arm breche, dann wird er sehr weit eingegipst. Bis über den Ellenbogen. Und ich breche mir nur den linken Arm. Bisher. Darf so bleiben, besser noch gar nicht mehr passieren. „Immer“ heißt in dem Fall zwei Mal.

Leben 0.5

Die ersten Tage waren doof, denn es tat weh! Die Tage vergingen und der Schmerz auch, meistens. Und je mehr ich mir zutraute, den Weg zurück ins Leben zu gehen, umso mehr Grenzen entdeckte ich. Klar, es ist ein Arm im Gips, und es kommen auch wieder Zeiten, da habe ich den zweiten Flügel zurück. Nur die Hürden sind echt erschreckend. Und mein größter Respekt gilt den Menschen, die jeden Tag mit diesen und mehr Hürden kämpfen und so ihr Leben meistern!

  • Bananen esse ich sehr gern. Hast Du schon mal versucht, sie mit einer Hand zu essen? Also so aus der Gewohnheit heraus greift man ja nicht zum Messer und schneidet sie an, damit man sie dann schälen und essen kann.
  • Ein Arzttermin, Schuhe anziehen und eine Schleife machen. Probier es mal!
  • Ein Tee aufbrühen. – Mein Wasserkocher ist für Einarmige nicht geeignet. Denn der Deckel hat eine Feder, damit der Kocher stets geschlossen bleibt. Das allein geht noch, nur soll das Wasser erst durch einen Kalkfilter. Und an dem Punkt war ich raus.
  • Essen kochen. Gewürz frisch aus der Mühle ist super. Pfeffer war für mich einige Wochen nicht nutzbar.
  • Viele kleine Dinge wurden müßig. Zum Beispiel das Handy in der Hosentasche beim Gang zur Toilette. Ein lustiges Spiel. Hose oben, Hose unten, Hose oben, Hose unten usw. – Man findet einen Weg. ;)

Freiheit erleben

Der Gips war runter, der Arm ein Ärmchen. Leider war Bewegen noch nicht drin. Denn der Körper ist schlau, wie ich in zwischen weiß. In einfachen Worten: Der Knochen ist gebrochen und die Muskeln beginnen, den Bruch zu stabilisieren, und verhärten. Doof, wenn es die sind, die ein Gelenk bewegen sollen. Dazu verkürzen sich die Bänder durch die Nichtnutzung. Somit hieß es für mich Physiotherapie und das alles „wegtrainieren“.

Es macht wenig Mut, wenn der Arzt direkt sagt: Nehmen Sie lieber Schmerzmittel, bevor Sie zur Physiotherapie gehen. Ehrlich, ich hatte Angst.

Die erste Sitzung war am schlimmsten, allerdings nur weil ich nicht wusste, was mich erwartet. 15 Minuten später wusste ich, alles gut. Aber die Schmerzmittel nehme ich weiterhin vor dem Termin. ;)

Die Wochen und Termine verstrichen und alles wurde besser. Endlich kann ich meinen Arm wieder mehr bewegen. Nun, ca. acht Wochen und einen zweiten Sturz später kann ich meinen Arm zu ca. 80% wieder bewegen. Der  zweite Sturz hätte nicht sein müssen, dann wäre der Arm sicher weiter,  vielleicht sogar schon richtig heile. Also werde ich noch ein paar Extra-Termine dran hängen. „Armdrücken“, wie ich manchmal sage.

Schön war der Tag, als ich wieder beschwerdefrei arbeiten konnte. Nicht dass ich so sehr auf Arbeit fixiert wäre, aber es ist etwas, womit ich die meiste Zeit des Tages verbringe. Und wenn da jede zweite Bewegung mit Schmerzen verbunden oder das Arbeitstempo auf optimistische 40% reduziert ist, dann macht das wirklich kein Spaß.

Apropos Spaß, einige Kollegen aus dem besten Team der Welt hatten durch aus ihren Spaß. „Wink mal“ oder „mach mal so“ – hier irgendeine beliebige Geste mit dem linken Arm denken.

Wie das so ist, wer den Schaden hat…

Fazit des Ganzen: „Total überflüssig“, wie mir ein Kunde sagte, ist es nicht gewesen. Denn ich habe so einen kleinen Einblick in eine Welt bekommen, wie Menschen mit Handicap leben. Und ich habe gemerkt, wie es ist, wenn man auf Hilfe angewiesen ist oder es zumindest toll wäre, wenn sie angeboten werden würde und die Leute einen nur beobachten.

Danke auch an Stefan für die Empfehlung für Physio-Vogel. Soweit ich es beurteilen kann, machen sie einen echt tollen Job mit Wohlfühlfaktor.

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