Tag 15 | 500 Worte | Ein Zugfahrt, die ist lustig…

Wie gestern erwähnt, geht es heute nach Düsseldorf, Freunde besuchen, die ich schon viel zu lange nicht mehr gesehen habe. Das heißt für mich Zugfahren, kein Führerschein und so.

Das erste kleine #fail des Tages, vergessen Spotify Premium zu buchen, um ein bisschen Musik dabei zu haben. Glücklicherweise ist ein Zug nicht ganz so schlimm wie ein Bus. Und so früh am Morgen, es ist gerade 8:23 Uhr, ist auch noch nicht mit angetrunkenen Kegelclubvereinen zu rechnen.

Um einiges spannender war da die Frage, ob ich den Bus zum Zug erwischen würde. Denn heute ist Feiertag und somit gilt in unserem beschaulichem Weltdorf Paderborn der Sonntagsfahrplan. Zugegeben, überall anders auch.  (Anmerkung Jess: HIER IN HAMBURG NICHT!!! Kack Feiertagsbenachteiligung! :D) Hier bedeutet es aber „Du kommst hier nicht weg!“

Der erste Bus, den ich nehmen kann, fuhr um 7:58 Uhr und war dann auch direkt zwei Minuten zu spät. Zwei Minuten sind super, an normalen Tagen. Heute, mit drei Minuten Zeit um am Bahnhof eine Ampel zu überqueren, das Ticket zu kaufen und dann im Zug zu sitzen, sind zwei Minuten kaum zu ertragen. Dementsprechend war ich unruhig und habe jede Haltestelle mit der Uhrzeit und dem Fahrplan auf dem Handydisplay abgeglichen. Mir ausgemalt, wie ich über die Straße hechte und hupenden Autofahren ausweiche, wenn es gut läuft. Falls nicht, wäre den Zug zu erwischen auch nicht mehr wichtig.

Viel Raum für diese Gedanken blieb nicht, denn der Bus holte auf. Nur an der letzten Haltestelle musste natürlich jemand nach Ticketpreisen fragen.

Haltestelle Bahnhof: Kaum Verkehr und somit auch keine Nahtoderfahrung für mich, als ich das rote Signal ignoriere. – Sehr gut.
Weniger gut sind die gefüllten Ticketautomaten. Glücklicherweise beachtet kaum einer den Außenseiter unter den Automaten nahe dem Kiosk. Er und ich sind gute Freunde, denn er hat fast immer Zeit für mich, so auch heute.

Ticket geholt, noch einmal kurz auf den Reiseplan geschaut und in den Zug gestiegen. Keine 30 Sekunden später schließen die Türen. Das war knapp. Ich such mir einen Platz und beginne zu schreiben.

Drei Haltestellen später weiß ich, die Fahrt wird ruhig. Das junge Pärchen gegenüber redet nicht viel, dafür bleibt zu wenig Raum zwischen ihnen. Danke Euch. – Für mich wird es Zeit, das Programm zu wechseln und noch etwas zu arbeiten.

Umsteigen. Immer wieder ein kleines Highlight. Alle, die es extraeilig haben, stehen schon fünf bis zehn Minuten vor dem Halt an der Tür. Für mich ein gutes Zeichen, zu speichern und zusammen zu packen.

In Hamm angekommen sehe ich auch schon den Zug auf dem gegenüberliegenden Gleis. Aachen steht drauf und ich steige ein. Routiniert. Nun habe ich noch 15 Minuten Zeit, bis der Zug dann auch abfährt. Jede Menge Zeit, sich Gedanken zu machen, ob man wirklich im richtigen Zug sitzt. Vom Fenster aus, was man auch fast als Milchglas bezeichnen kann, sehe ich keine Infos die mich weiter bringen. Der Versuch, mein Handy um Rat zu fragen, scheitert an der gruseligen Verbindung, die alle Bahnhöfe eint.

Die Minuten vergehen und eigentlich habe ich keinen Grund, mir Sorgen zu machen, tu ich aber.
So steige ich wieder aus und laufe, bis ich die Zuginfos finde. War doch der richtige Zug. Ein Mix aus Erleichterung, Müdigkeit und dem dringendem Bedürfnis eines Klos machen sich breit. Letzteres gibt es erst in zwei Stunden. Diese Entscheidung wird bestätigt, als andere mit wenig Begeisterung vom Zug-WC zurückkommen. Also weiterschreiben und dann noch etwas arbeiten.

Die übliche Panik, beim Umsteigen den falschen Zug zu erwischen, kennen vermutlich alle Bahnfahrer (Anmerkung Jess: deswegen steige ich einfach in Hamburg ein und da, wo ich hin will, wieder aus :D). Für mich war dies auch schon ein ganz reales Ereignis. Vor vielen Jahren zum Jahrhundert-Hochwasser saß ich im Zug. Ich war gerade auf dem Rückweg von einem Besuch bei Freunden und hatte mich aber so gar nicht um die Reiseverbindung gekümmert. Damals, oh je, bin ich alt … , war noch nicht so viel mit mobilem Internet. Und so habe ich mich auf die Daten verlassen, die man mir gegeben hatte. Was ich nicht weiß, ist, ob die Infos falsch waren oder ich einfach den falschen Zug erwischt habe. Ist auch egal, denn das Ergebnis, dass ich in die falsche Richtung fuhr, war ganz real. Dazu dann auch anhaltender Regen und dann die Durchsage, dass wir wohl nicht weiterfahren würden, da die Gleise unterspült seien.

Im Zug machte sich allgemeine Unruhe breit. Viele versuchten, Infos vom Zugpersonal zu bekommen oder telefonierten, um diese anderswo zu erhalten. Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch keiner, dass zwei oder drei Tage später Dresden unter Wasser stehen würde, wo ich eigentlich auch noch hin wollte. – Hin gekommen wäre ich noch.

So zog sich die Fahrt einige Stunden quer durchs Land und ich hatte keine Ahnung, wann ich Zuhause ankommen würde. Schlussendlich bin ich dort auch wieder angekommen, zwar spät, aber da.

Seitdem bereitet mir die Aussicht auf Verspätung, falscher Zug und ähnliches weniger Sorge. Nur manchmal, so wie heute, dann macht der Kopf sein eigenes Ding und ich steige aus dem Zug wieder aus. Sicher ist sicher.

Und sofern ich jetzt im richtigen Zug sitze, bin ich ca. 11 Uhr irgendwo in Düsseldorf und frühstücke mit Freunden.

… eine Zugfahrt, die ist schön. ;)

2 Comments

  1. Matthias 4. November 2014 at 8:56

    Wah! Zug fahren… *grusel*

    Wenn ich das mache, sind immer alle Züge verspätet, brauchen Jahrtausende für die Strecke oder es ist gerade so voll, dass man stehen muss. IMMER. Daher hasse ich die Bahn.

    Zuletzt habe ich so ein Teil in Nizza bestiegen, weil mein Auto leider tausend Kilometer weit weg stand – ansonsten meide ich die Dinger wo ich kann. Man kommt eh nie pünktlich irgendwo an. Und erholter bin ich dadurch auch nicht. Schrecklich.

    Eine Ausnahme gibt es: ICE. Die Dinger sind toll ;) Aber wenn man auf 400km nur 2x hält, dann klappt das auch mit dem Fahrplan. Meistens.

    Reply
    1. Dominic 6. November 2014 at 0:34

      Matthias, ans Zugfahren und die Dinge damit einher gehen gewöhnt man sich. Genau wie an die Dinge beim Autofahren.

      Der Punkt mit dem nicht erholter Stimmt irgendwie. Leider sehen das viele nicht. Denke aber die Fahren nur Direktverbindungen. Anders sieht es aus wenn es Winter ist und man z.B. in Kassel am Bahnhof steht und dort echt lange wartet, da der Anschluss fast ne Stunde später kommt.

      Aber Du weißt ja, man gewöhnt sich an alles.

      Reply

Leave A Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.